Von ROLLENLAND Team

20.12.2022 · Zuletzt aktualisiert am 29.09.2026

Das Gesundheitsrisiko von Thermopapier im Überblick

Kassenbons waren immer wieder unter Verdacht, gesundheitsschädliche Stoffe zu enthalten. Die Rede war hier hauptsächlich von Bisphenol A und später Bisphenol S. Diese Chemikalien kamen jahrelang bei der Herstellung von Thermopapier zum Einsatz. Wer die beiden Substanzen nicht direkt zuordnen kann, wird vielleicht mit der Abkürzung BPA etwas anfangen können. Diese steht für den Stoff Bisphenol A und ist heutzutage häufig auf Produkt- oder Lebensmittelverpackungen zu finden. Lesen Sie diesen Artikel, um auf dem aktuellsten Stand der Papierindustrie zu sein die Zusammenhänge von Thermopapier und BPA zu verstehen.

Teilen über:

ROLLENLAND gruene aepfel
Kassenbon aus Thermopapier in Nahaufnahme

Seit dem 2. Januar 2020 ist Bisphenol A (BPA) in der EU für die Herstellung von Thermopapier verboten – Kassenbons dürfen also kein BPA mehr enthalten. Ein Restrisiko besteht dennoch: Viele Hersteller sind auf verwandte Ersatzstoffe wie Bisphenol S (BPS) umgestiegen, deren gesundheitliche Bewertung ähnlich kritisch ausfällt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu vollständig phenolfreiem Thermopapier. Im Folgenden erfahren Sie, wie es zur BPA-Debatte kam, was die aktuelle Forschung von EFSA und BfR dazu sagt, welche Entwicklung die Regulierung seit 2011 genommen hat und woran Sie sicheres Thermopapier im Alltag zuverlässig erkennen.

Wie kam es zur BPA-Debatte bei Thermopapier?

Thermopapier und BPA haben eine lange gemeinsame Geschichte: Noch vor einigen Jahren wurden die meisten Thermopapiere mit dieser Chemikalie beschichtet, da sie als Farbentwickler zuverlässig funktioniert und zugleich kostengünstig in großen Mengen verfügbar war. Mit wachsendem wissenschaftlichem Interesse an hormonell wirksamen Stoffen gerieten jedoch auch Kassenbons zunehmend in den Fokus – besonders Verkaufspersonal, das täglich viele Bons in die Hand nimmt, sowie schwangere Angestellte waren einer regelmäßigen Exposition ausgesetzt.

Als Reaktion darauf wich die Industrie zunächst auf den verwandten Stoff Bisphenol S aus. Erst mit dem BPA-Verbot zum 2. Januar 2020 wurde der Stoff in Thermopapier EU-weit endgültig untersagt – die einzelnen Schritte der Regulierung finden Sie weiter unten in der Zeitleiste.

Warum wurde BPA überhaupt in Thermopapier eingesetzt?

Thermopapier trägt eine wärmeempfindliche Beschichtung aus drei Komponenten: einem Farbbildner, einem Farbentwickler und einem Bindemittel, das beides gleichmäßig auf dem Papier fixiert. Der Druckkopf des Bondruckers erhitzt das Papier punktuell, Farbbildner und Entwickler schmelzen zusammen und reagieren zu dem schwarzen Schriftbild. Bisphenol A übernahm dabei jahrzehntelang die Rolle des Farbentwicklers – es war günstig, in großen Mengen verfügbar und lieferte einen kräftigen Kontrast.

Chemisch notwendig ist BPA dafür allerdings nicht. Nach dem Verbot wichen viele Hersteller zunächst auf das verwandte Bisphenol S aus; phenolfreies Thermopapier nutzt dagegen Entwickler aus anderen Stoffklassen, und der blaue Kassenbon kommt sogar ganz ohne chemischen Farbentwickler aus, weil das Schriftbild dort physikalisch entsteht. Druckqualität und Haltbarkeit stehen den früheren BPA-Papieren dabei nicht nach.

Welche Gesundheitsrisiken birgt Bisphenol A laut aktueller Forschung?

Bisphenol A wirkt im Körper hormonähnlich (endokrin) und wird von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als reproduktionstoxisch eingestuft – das heißt, der Stoff kann laut wissenschaftlicher Bewertung die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. In ihrer aktuellen Neubewertung von 2023 hält die EFSA zudem mögliche schädigende Effekte auf das Immunsystem, die Entwicklung, das Nervensystem und den Stoffwechsel für denkbar, auch wenn nicht jede dieser Wirkungen bei alltäglicher Exposition als erwiesen gilt. Aus diesem Grund hat die Behörde den tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) drastisch abgesenkt – von ursprünglich 4 Mikrogramm auf nur noch 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Umweltbundesamt stuften die Aufnahme von BPA über die Haut beim Anfassen von Kassenbons bereits 2015 als zweitwichtigste Aufnahmequelle nach der Ernährung ein – insbesondere bei häufigem, beruflichem Kontakt. Bei Kindern unter drei Jahren spielt dieser Aufnahmeweg praktisch keine Rolle, dennoch wird empfohlen, dass Kinder nicht mit Kassenbons, Quittungen oder Fahrscheinen aus Thermopapier spielen.

Was hat sich seit dem BPA-Verbot 2020 geändert?

Seit dem Verbot darf in der EU kein Thermopapier mehr mit BPA hergestellt oder in Verkehr gebracht werden. Von neu produzierten Kassenbons geht damit kein BPA-Risiko mehr aus. Das Verbot gilt allerdings ausschließlich für Thermopapier – in vielen anderen Alltagsgegenständen wie manchen Kunststoffbehältern, Konservendosen-Beschichtungen oder älteren Kunststoffprodukten kann BPA nach wie vor vorkommen, da hierfür jeweils eigene, teils weniger strenge Regelungen gelten. Achten Sie deshalb auch beim Kauf von Plastikschüsseln, Trinkflaschen oder Lebensmittelverpackungen gezielt auf eine BPA-freie Kennzeichnung.

Ist Bisphenol S eine sichere Alternative zu BPA?

Nicht uneingeschränkt. Bisphenol S ist chemisch eng mit BPA verwandt und wirkt im Körper auf ähnliche Weise hormonell. Mehrere unabhängige Studien deuten darauf hin, dass BPS vergleichbare Wirkmechanismen wie BPA aufweisen kann, auch wenn die Datenlage insgesamt noch nicht so umfangreich ist wie bei BPA selbst, das seit Jahrzehnten intensiv erforscht wird. Da BPS gesetzlich nicht in gleicher Weise reguliert ist wie BPA, wird der Stoff von vielen Herstellern weiterhin in Thermopapier eingesetzt. Wer dieses Risiko von vornherein ausschließen möchte, sollte gezielt zu phenolfreiem Thermopapier greifen, das ganz ohne Bisphenol A, B oder S auskommt.

BPA, BPS und phenolfreies Thermopapier im Vergleich

Merkmal Bisphenol A (BPA) Bisphenol S (BPS) Phenolfreies Thermopapier
Rechtslage in der EU Seit 2020 in Thermopapier verboten Aktuell nicht speziell reguliert Keine Einschränkung, unbedenklich
Hormonelle Wirkung Nachgewiesen, EFSA stuft als reproduktionstoxisch ein Strukturell verwandt, vergleichbare Wirkmechanismen möglich Keine bekannte hormonelle Wirkung
Verbreitung im Handel Nicht mehr zulässig Verbreiteter BPA-Ersatzstoff Zunehmend verfügbar, Premium-Segment
Entsorgung Nicht mehr relevant Über Altpapier möglich Problemlos über Altpapier

Wie wirkt sich Thermopapier auf die Umwelt aus?

Während Kassenbons für den einzelnen Verbraucher selten zu erhöhten BPA-Werten im Körper führten, hatte falsch entsorgtes Thermopapier durchaus Auswirkungen auf die Umwelt: Gelangte BPA-beschichtetes Papier unsachgemäß in den Wasserkreislauf, konnte die Chemikalie ins Grund- und Trinkwasser vordringen. Auch bei phenolfreiem Thermopapier bleibt die korrekte Entsorgung relevant, da Kassenbons je nach Beschichtung nicht überall unbegrenzt recycelbar sind. Es ist deshalb grundsätzlich wichtig, Thermopapier richtig zu entsorgen, auch wenn moderne, phenolfreie Varianten hier deutlich unproblematischer sind als ältere BPA-haltige Bons.

Woran erkenne ich sicheres, phenolfreies Thermopapier?

Achten Sie beim Kauf auf eine explizite Kennzeichnung als „phenolfrei“ oder „BPA- und BPS-frei“ – ein bloßer Hinweis auf „BPA-frei“ schließt den Einsatz von BPS oder anderen Ersatzstoffen nicht zwingend aus, da dieser Begriff rechtlich nicht einheitlich definiert ist. Eine besonders umweltfreundliche und leicht erkennbare Variante ist der blaue Kassenbon, der komplett ohne Phenole auskommt und sich zudem problemlos über das Altpapier entsorgen lässt.

Sind Thermopapier-Produkte von ROLLENLAND sicher?

ROLLENLAND bietet ausschließlich gesetzeskonforme, BPA-freie Thermorollen an. Darüber hinaus führen wir ein umfangreiches Sortiment an komplett phenolfreien Produkten, die zusätzlich auf verwandte Stoffe wie Bisphenol S verzichten – darunter auch den blauen Kassenbon als besonders umweltfreundliche Variante. Bei der Auswahl unserer Lieferanten und Produktionsstätten legen wir Wert auf nachvollziehbare Herkunft und regelmäßige Qualitätskontrollen, sodass Sie sich beim Einkauf nicht selbst durch technische Datenblätter arbeiten müssen. So können Sie sicher sein, dass weder Ihre Mitarbeiter noch Ihre Kunden unötigem Kontakt mit hormonell wirksamen Stoffen ausgesetzt sind.

Wie hat sich die BPA-Regulierung über die Jahre entwickelt?

Die rechtliche und wissenschaftliche Bewertung von BPA hat sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten deutlich verschärft:

  • 2011: Erste EU-weite Verbote von BPA in Babyflaschen und Trinkgefäßen für Kleinkinder.
  • 2015: Die EFSA senkt den tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) erstmals deutlich ab, von 50 auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, und stuft Thermopapier als relevante Aufnahmequelle ein.
  • 2. Januar 2020: EU-weites Verbot von BPA in Thermopapier tritt in Kraft – Kassenbons dürfen seither kein BPA mehr enthalten.
  • 2023: Die EFSA veröffentlicht eine erneute, deutlich strengere Neubewertung und senkt den TDI-Wert auf 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag – eine Reduktion um den Faktor 20.000 gegenüber dem ursprünglichen Wert von 2010.

Diese Entwicklung zeigt: Auch wenn BPA in Thermopapier bereits seit 2020 verboten ist, wird die generelle Risikobewertung von Bisphenolen kontinuierlich verschärft – ein Grund mehr, bei Ersatzstoffen wie BPS wachsam zu bleiben.

Was sollten Einzelhändler und Gastronomiebetriebe beim Thema Thermopapier beachten?

Wer regelmäßig mit Kassenbons hantiert – etwa Verkaufspersonal an der Kasse –, ist einer deutlich höheren Kontaktfrequenz ausgesetzt als Endkunden, die nur gelegentlich einen Bon in die Hand nehmen. Für Betriebe lohnt sich daher ein bewusster Blick auf die eingesetzte Thermopapier-Qualität:

  • Auf explizite Phenolfreiheit achten: Ein Hinweis „BPA-frei“ allein garantiert noch keine vollständige Bisphenol-Freiheit – gezielt phenolfreies Thermopapier bietet die höchste Sicherheit.
  • Händewaschen nach häufigem Bonkontakt: Insbesondere bei älteren Lagerbeständen oder importierter Ware, deren genaue Zusammensetzung unklar ist, ist regelmäßiges Händewaschen eine einfache Vorsichtsmaßnahme.
  • Digitale Bons als Ergänzung anbieten: Wo es die Kasseneinrichtung erlaubt, reduziert ein digitaler Bon per E-Mail oder App den physischen Kontakt zusätzlich – und spart gleichzeitig Papier.
  • Schulung des Personals: Insbesondere schwangere Mitarbeiterinnen profitieren von der Information, dass phenolfreies Thermopapier verfügbar ist und im Betrieb bevorzugt eingesetzt werden sollte.

Mit der Umstellung auf durchgehend phenolfreies Thermopapier lässt sich das Thema für den gesamten Betrieb zuverlässig aus der Welt schaffen, ohne auf die Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit des Thermodrucks verzichten zu müssen.

Häufig gestellte Fragen zum Gesundheitsrisiko von Thermopapier

Warum sind Kassenbons aus Thermopapier?

Kassenbons werden im Thermodruckverfahren erstellt und benötigen dafür Spezialpapier. Dieses Verfahren kommt ohne Tinte oder Toner aus und liefert zuverlässig lesbare Ausdrucke bei hoher Druckgeschwindigkeit.

Wie wirkt sich BPA auf die Umwelt aus?

BPA gelangte früher vor allem durch falsch entsorgte Kassenbons in die Umwelt. Wurde mit Bisphenol A beschichtetes Thermopapier unsachgemäß über das Altpapier entsorgt, konnte die Chemikalie letztlich auch ins Grundwasser gelangen.

Geht von Thermopapier heute noch ein Gesundheitsrisiko aus?

Alle in der EU verkauften Thermopapiere müssen seit 2020 BPA-frei hergestellt werden. Allerdings kommen bei vielen Produkten weiterhin verwandte Ersatzstoffe wie Bisphenol S zum Einsatz, deren Langzeitwirkung noch nicht abschließend erforscht ist. Wer sichergehen möchte, sollte gezielt zu phenolfreiem Thermopapier greifen.

Ist der Kontakt mit einem einzelnen Kassenbon gefährlich?

Nein. Laut EFSA-Bewertung liegt die Gesamtaufnahme von BPA über alle Quellen – auch bei gelegentlichem Kontakt mit älteren, BPA-haltigen Papieren – für die Allgemeinbevölkerung deutlich unterhalb der als sicher geltenden Grenzwerte. Ein gewisses Risiko besteht vor allem bei sehr häufigem, beruflichem Kontakt, etwa im Einzelhandel, weshalb dort besonders auf phenolfreies Thermopapier geachtet werden sollte.

Können Kinder durch Kassenbons gefährdet werden?

Laut Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung spielt die Aufnahme über Thermopapier bei Kindern unter drei Jahren praktisch keine Rolle. Dennoch wird aus Vorsicht empfohlen, kleine Kinder nicht mit Kassenbons, Quittungen oder Fahrscheinen aus Thermopapier spielen zu lassen – insbesondere, da ältere oder importierte Papiere theoretisch noch BPA enthalten könnten.

Woran erkenne ich, ob ein Kassenbon aus phenolfreiem Papier besteht?

Eine hundertprozentige optische Unterscheidung ist für Laien kaum möglich, da sich BPA- und phenolfreies Papier äußerlich meist nicht unterscheiden. Verlässlich ist die Herstellerangabe: Achten Sie auf eine explizite Kennzeichnung als „phenolfrei“ auf der Verpackung oder fragen Sie bei Ihrem Lieferanten gezielt nach der genauen Zusammensetzung. Der blaue Kassenbon ist durch seine charakteristische Färbung eine Ausnahme, die auch für Endkunden auf den ersten Blick erkennbar ist.